Ein interessanter Bericht der Mittelbadischen Presse über unsere Huber Mühle.
Erschienen am 16. Juni 2020

Serie „Wir sind systemrelevant“ – Ortenauer Firmen, die in der Corona-Krise unverzichtbar sind. Heute (27): Die Firma Huber Mühle aus Hohberg-Niederschopfheim, die im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie Panikkäufe erlebt hat.

Startschuss war der 29. Februar. An diesen Tag erinnert sich Dirk Brauweiler noch ganz genau, denn an jenem Samstag begann im Mühlenladen der Huber Mühle in Niederschopfheim der Nachfragesturm. „Wir kamen fast nicht mehr mit dem Nachfüllen der Regale nach. Kaum hatten wir die Mehlpackungen gestapelt, waren die Regale wieder geplündert“, erinnert sich Dirk Brauweiler, der sich mit Rolf Huber die Geschäftsleitung der Huber Mühle teilt.

Besonders gefragt waren die Typen 405 und 550, also klassisches Kuchen- und Brotmehl sowie Dinkelmehl. Und davon viel, sehr viel. Eine Mitarbeiterin war tagelang ausschließlich damit beschäftigt, die Regale nachzufüllen. Da unser Mühlenladen direkt an die Lagerhalle mit rund 1000 Stellplätzen grenzt, konnten die Kunden die vollen Paletten mit dem Mehl jederzeit sehen“, berichten die Geschäftsführer.

Extraschichten

Geholfen hat es nicht, die Kunden kauften panisch Mehl in Mengen, die ein normaler Haushalt in Monaten nicht verbrauchen kann. Mehl ist mehrere Jahre haltbar, aber nur, wenn es optimal gelagert wird. Und wer hat schon einen dunklen, absolut geruchsfreien, knochentrockenen Raum, in dem permanent etwa zehn Grad herrschen?

Um der enormen Nachfrage Herr zu werden, haben die etwa 30 Mitarbeiter der traditionsreichen Huber Mühle jede Menge Extraschichten eingelegt und Überstunden geschoben. Auch an den Wochenenden. „Außerdem haben wir unsere Maschinen voll ausgelastet und vor allem Mehl produziert“, berichtet Dirk Brauweiler über die Anstrengungen, die nötig waren, um die enorme Nachfrage zu bedienen.

Topmoderne Mühle

Und nicht nur im Mühlenladen war über Wochen die Hölle los. Auch in den Lebensmittelmärkten haben die Kunden die Mehlregale leergeräumt. Und auch dort musste schnellstens wieder aufgefüllt werden. „Am Freitagnachmittag fuhr der Lastwagen mit einer Ladung Mehl vom Hof und schon am Montag darauf kam der Anruf aus den belieferten Supermärkten, dass Nachschub gebraucht werde“, erzählt er. „Wir gehen davon aus, dass der Bedarf an Mehl deshalb steigt, weil die Menschen mehr Zeit haben und zu Hause einfach mehr backen und kochen,“ erklärt sich Dirk Brauweiler die steigende Nachfrage.

Die Huber Mühle hat, so Dirk Brauweiler, die modernste Mühle im näheren Umkreis. Sie wurde 2013 neu eingebaut und in Betrieb genommen. Pro Tag können in der Anlage rund 36 Tonnen Getreide verarbeitet werden, in der Woche schafft das Team rund 150 Tonnen. Zeit frisst das Umrüsten der Maschinen und die gründlichen Reinigungen an den Anlagen, die in einem lebensmittelverarbeitenden Betrieb selbstverständlich sind. So wirken die Produktionsräume auch eher wie ein Labor, nichts erinnert an eine nostalgische Mühle mit knarzenden Balken und ledernen Antriebsriemen, wie das in früheren Zeiten einmal war.

Kunden können aus vielen verschiedenen Produkten wählen

Ob diverse Müslis, Backmischungen, verschiedene Saaten wie Sonnenblumenkerne oder Leinsaat, Snacks oder Tierfutter, die Kunden können aus vielen verschiedenen Produkten wählen. Normalerweise. „In der Coronazeit haben wir das Angebot im Mühlenladen reduziert und auch in unserem Online-Shop ist derzeit noch nicht alles wieder verfügbar. Anders wäre die enorme Nachfrage vor allem nach Mehlen nicht zu bewältigen gewesen“, erklärt Dirk Brauweiler eine weitere Strategie in diesen verrückten Zeiten.

Froh waren er und Rolf Huber, dass der Lockdown vor Ostern runterging. „Wir hatten uns aufs Ostergeschäft vorbereitet und unsere Lager gut gefüllt. Außerdem konnten wir auf bereits im Herbst vorreserviertes Getreide zurückgreifen. Probleme gab es mit der Anlieferung, da manche Speditionen nicht gefahren sind“, berichtet Dirk Brauweiler. Aktuell leiden die Mühlenbetreiber, und damit auch ihre Kunden, unter den Folgen der Hamsterkäufe im März.

Kaum mehr Reserven

„Wir haben unsere bis zur Ernte reichenden Reserven, vor allem an Dinkel, jetzt schon aufgebraucht und müssen nun zusätzliche Mengen kaufen. Und das zu deutlich erhöhten Preisen“, berichtet Brauweiler. Außerdem sind die Kosten für Verpackungsmaterial wie Kartonagen und Papiertüten derzeit höher. Und ist Hefe im Moment erst wieder ab Ende Mai verfügbar. Diese wird benötigt, um die bei den Kunden beliebten Backmischungen zu produzieren.

Quelle:
Mittelbadische Presse, 16. Juni 2020

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